„Theodor Heuss taugt nicht als Komplize der Geschichtsleugnung“

Der Fraktion der Freien Demokraten ist es ein wichtiges Anliegen, der Zitierweise des ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss durch die AfD-Fraktion im Amtsblatt vom 8. Mai zu widersprechen. Der große Liberale Theodor Heuss, erster Bundespräsident, Gründungmitglied und erster Parteivorsitzender der Freien Demokraten taugt nicht für den allzu durchschaubaren Versuch der Geschichtsverdrehung durch die extreme Rechte. Mit seiner Bezeichnung des 8. Mai 1945 als „tragischste und fragwürdigste Paradoxie der Geschichte für jeden von uns“ brachte Heuss seiner Zeit die Stimmung der Deutschen unmittelbar nach Kriegsende zum Ausdruck, die sich gleichsam „erlöst und vernichtet“ fühlten.

Längst ist aus dem von ihm verwendeten Begriff der Erlösung der erinnerungspolitische Konsens unter den demokratischen Parteien erwachsen, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung und des Gedenkens an die Opfer des Krieges und der Deutschen Verbrechen begangen wird. Heuss selbst sprach bereits 1949 davon, die Deutschen sollten sich für die Verbrechen des Nationalsozialismus „kollektiv schämen“. Die FDP-Fraktion verwehrt sich dem Versuch, Theodor Heuss durch selektives Uminterpretieren seiner Aussagen zum Komplizen von Geschichtsverdrehung und Vergangenheitsleugnung zu machen.

„Als Freie Demokraten im Stuttgarter Gemeinderat können wir dieses geschichtsvergessene Statement und vor allem den Missbrauch von aus dem Zusammenhang gerissenen Theodor-Heuss-Zitaten nicht unkommentiert lassen. Vor allem, da wir der zugrundeliegenden „Make-Germany-Great-Again“-Rhetorik im Sinne der altbekannten „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“-Forderung, die in dem Beitrag der AfD deutlich mitschwingt, entschieden widersprechen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Dr. Matthias Oechsner. Nach Ansicht der FDP-Fraktion besteht unsere kulturelle Identität genau darin, dass wir aufgrund einer demokratisch kritischen Grundhaltung politischen Extremisten nicht auf den Leim gehen, die nur eines im Sinn haben: Deutschland erneut zu zerstören. Wir sind nicht klein, wir sind nicht schwach. Wir Deutschen haben durch unsere Geschichte sogar den allermeisten Staaten etwas voraus: wir wissen, was es heißt, Radikalen auf den Leim zu gehen und wissen, was es uns gekostet hat. Völlig unpassend also, dass die AfD einen der größten Liberalen im Amtsblatt als Grundlage für Forderungen danach „wieder selbstbewusster werden“ zu wollen und sich „auf unserer kulturelle Identität [zu] besinnen“. Theodor Heuss bleibt der große Liberale, der er Zeit seines Wirkens war und der sich stets der Instrumentalisierung durch die extreme Rechte zu verwehren wusste.

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