Weshalb das Baurechtsamt Leerstand fördert

Experten-Interview mit City-Manager Sven Hahn - 2/3

Der Stuttgarter Innenstadt, besser gesagt dem Handel, der Gastronomie und den Kulturveranstaltern, geht es nicht gut. Die Leerstände selbst in besten Lagen zeigen das deutlich. Doch wie sieht es mit dem Büromarkt aus? „Ich bin ich fest der Meinung, wir brauchen Büroflächen in der Innenstadt, wenn sie gut ausgestattet sind, wenn sie gut gemacht sind“, sagt City-Manager Sven Hahn im zweiten von drei Teilen eines Interviews mit FDP-Stadtrat Eric Neumann.

 Herr Hahn, lassen Sie uns einen Blick auf die Büroflächen in der Innenstadt werfen. Bisher gibt es faktisch keinen Leerstand. Wird sich das in Zukunft ändern?  

Lassen Sie mich noch ein Wort zum Thema Leerstände beim Handel verlieren. Da haben wir ganz oft das Problem, dass eine Umnutzung im Bauantrag über Monate, ja teilweise über Jahre bearbeitet wird und dadurch der Leerstand erst entsteht. Es liegt nicht daran, dass das Interesse der Nutzer nicht da ist. Das haben andere Städte in strukturschwachen Regionen, das haben wir nicht.

Nun aber zum Büromarkt.

Ja, was die Büroflächen angeht, bin ich fest der Meinung, wir brauchen Büroflächen in der Innenstadt, wenn sie gut ausgestattet sind, wenn sie gut gemacht sind. Es ist ein Unterschied, vom Standort Innenstadt zu sprechen oder vom Business Park auf der grünen Wiese, vom Gewerbegebiet weit draußen. Bei diesen Büroflächen draußen gibt es nichts außer dem Arbeitsplatz. Dann überlege ich mir zweimal, ob ich mir den morgendlichen Stau antue oder nicht. 

Was wollen Sie damit sagen?

Dass zum Beispiel die CMS, eine Anwaltskanzlei mit 400 Mitarbeitern, ganz bewusst in die Calwerpassage gezogen ist. Da hat man sich ganz bewusst für den Standort Stuttgart und die Innenstadt entschieden.

Warum?

Weil das natürlich ein Mehrwert für die Mitarbeiter ist, an diesem Ort den Arbeitsplatz zu haben, weil es umgeben ist von einem schönen Quartier, Handel, Gastronomie und anderen Mietern und so weiter. Also um den Bürostandort Innenstadt ist es mir nicht bang. Wir hatten zwar eine unnatürlich niedrige Leerstandsquote, aber ich bin weit weg davon entfernt, zu sagen, dass wir in der Innenstadt keine Büros mehr brauchen oder keine Nachfrage mehr haben. Der Bürostandort Innenstadt funktioniert, wird gebraucht und die Mitarbeiter sind ja dann auch die Quelle für ein Restaurant, für einen Mittagstisch, also es bedient sich auch wieder gegenseitig.

Es ist also ein Märchen, dass wir ein Nachfrageproblem haben. Stattdessen haben wir einen Flaschenhals durch lange Genehmigungsverfahren. Wieder steht die Stadtverwaltung im Fokus. Da können wir als Kommunalpolitiker durchaus etwas tun, damit solche Prozesse besser und schneller laufen.

Das wäre ein echter Fortschritt.

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